| Zarathustra |
Die Lehre Zarathustras, die mehrere Jahrhunderte lang die ethische Richtlinie im grosspersischen Reich bestimmt, ist heute kaum mehr bekannt. Es gibt zur Zeit nur noch ca. 200.000 Anhänger Zarathustras. Die meisten Zarathustra-Anhänger, etwa 100.000, leben als Parsen in Indien. Die Parsen sind die Nachkommen der persischen Zarathustrier, die vor allem im 9. Jahrhundert wegen Repressalien durch die Moslems von Persien aus nach Indien auswanderten (vgl. Koran ISBN 3-442-08613-2, Sure 9, Ayeh 5 und Sure 9, Ayh 29,123). Wenn man einen Perser fragt, was er über Zarathustra weiss, bekommt man sehr oft die Antwort, dass die Zarathustrier Feueranbeter und deshalb genauso wie alle anderen Ungläubigen, wie etwa die Juden und Christen, als unrein zu betrachten seien (vgl. Koran, Sure 9, Ayeh 28). In Deutschland ist Zarathustra weitgehend unbekannt, allenfalls wird bei einer Frage nach ihm der bekannte Titel des Nitsche-Buches "Also sprach Zarathustra" genannt. Deshalb möchte ich versuchen, die Lehre Zarathustras, ihre Entstehung, Symbolik und Entwicklung möglichst objektiv darzulegen, um damit dazu beizutragen, diese Lehre wieder in unser Bewusstsein zu rücken und herrschende Vorurteile und Falschinformationen abzubauen.
I. Handelt es sich bei dem ersten in der Geschichte erwähnten Monotheismus um eine Philosophie oder eine Religion?
Bei genauer Betrachtung der Lehre Zarathustras erkennt man, dass Zarathustra sich nicht anmasst, mit Gott, dem Schöpfer eines Weltalls, das nach unserem jetzigen Wissen ca. 36 Milliarden Lichtjahre umfasst und in jeder Hinsicht ausserhalb unserer Vorstellungskraft liegt, persönlich in Kontakt getreten zu sein. Da monotheistische Religionen aber vornehmlich auf dem Fundament beruhen, dass der Religionsstifter eine enge Verbindung mit dem Schöpfer der Welt eingeht, kann man die Lehre Zarathustras und ihre zugrundeliegende Philosophie nicht in die Reihe dieser Religionen einordnen. Zarathustra hat stets von seinen eigenen Gedanken und Überlegungen gesprochen und ist nur über diesen Weg auf den Weltschöpfer gestossen.
Das Leben Zarathustras
Wir besitzen weder Quellen über den Zeitraum, in dem Zarathustra gelebt hat, noch genaue Angaben über den Ort seines Lebens und Wirkens. Aus der Gatha, einer von Zarathustra verfassten Verssammlung, lässt sich entnehmen, dass Zarathustra wegen Verfolgungen durch die Mithrapriester von seinem Geburtsort fliehen musste. Manche Autoren nehmen an, dass er in der Gegend des Urmia Sees (Resaieh See), nordwestlich von Teheran, geboren wurde. Auch die Ortschaft Baktrien, in der Nähe der Stadt Balch, sowie die Umgebung der Stadt Thus dienten ihm wahrscheinlich als vorübergehender Aufenthaltsorte. Des weiteren wird die Gegend um Chorasmin genannt, wo er angeblich bei Fürst Vischtasa Zuflucht vor seinen Verfolgern fand. Man nimmt an, dass er zwischen 1000 bis 600 v. Chr. gelebt hat. Manche Autoren legen das Zeitalter Zarathustras aber auch in die Zeit bis vor 4000 v. Christus.
Weshalb hat Zarathustra den Kampf gegen den zeitgenössischen Mitrakult aufgenommen?
Wir wissen z. B. aus verbliebenen Schriften des Achaemeniderkönigs Darius d. Grossen anlässlich der Einweihung des Suezkanals, dass dieser Ahura Mazda (Gott) als Erschaffer von Himmel und Erde verehrt.
,,Ein grosser Gott (ist) Ahura-Mazda, der jenen Himmel schuf, der diese Erde schuf, der den Menschen schuf, der die Segensfülle schuf für den Menschen, der den Darius zum König machte, der dem König Darius die Herrschaft verlieh, die gross (ist), die gute Rosse (und) gute Menschen besitzt."
,,Es spricht der König Darius: Ic(h) bi(n) Perser. Von Persien aus erobe(rt)e ich Ägypten. Ich be(fa)hl, diesen (Kana)l zu graben von dem Strome namens Nil, der in Ägypten flie(sst, na)ch dem Meere, das von Persien ausgeht. D(a) wurde dieser Kanal gegraben, s(o, wie) ich befohlen hatte, un(d Schiffe) fuhren von Ägypten du(rch dies) en Kanal nach Per(sien s)o, wie (es) mei(n Wille war)."
(Aus: ,,Die Keilinschriften der Achaemeniden", bearbeitet von F. H. Weissbach, S. 103 und S.105).
Auch Herodot, ein griechischer Geschichtsschreiber, der im 5. Jahrhundert vor Christus lebte, hat in seinem ersten Buch bestätigt, dass die alten Perser Monotheisten waren und im Gegensatz zu den Griechen nichts für Götzenbilder übrig hatten und diese Sitte der Griechen töricht fanden. Ein monotheistisch überzeugter Zarathustra konnte deshalb auch die im Mitraglauben praktizierte Götzenverehrung nicht akzeptieren. Auch andere Bräuche der Mitraverehrung, wie das Blutopfer oder der Genuss von Rauschgetränken, das Haoma, widersprachen seiner Leitlinie von ,,gut zu denken" und haben ihn unter anderem veranlasst, seine Lehre und Philosophie dem Mitrakult entgegenzusetzen.
Die Fundamente der Lehre Zarathustras
Neben dem Eingottglauben basiert die Philosophie Zarathustras auf den drei Grundsätzen ,,gut zu denken", ,,gut zu reden" und ,,gut zu handeln". So berichtet Herodot in seinem ersten Buch, Absatz 136 Über die alten Perser:
,,Die Knaben lernen vom fünften bis zum zwanzigsten nur dreierlei: Reiten, Bogenschiessen und die Wahrheit sagen"
und aus Herodot, Buch 1, Absatz 138:
,,Was sich nicht schickt, davon spricht man auch nicht. Nichts aber halten sie für so schimpflich als zu lügen, danach aber, Schulden zu machen; dies besonders deshalb, weil sie glauben, wer Schulden habe, müsse sich gelegentlich auch aufs Lügen legen".
Zarathustra ist anscheinend zu der Überzeugung gelangt, dass alle Ereignisse unserer Welt auf Ursache und Wirkung beruhen. Wenn wir uns alle gute Taten verschreiben, dann kann uns auch nur Gutes geschehen, und wenn wir umgekehrt Böses tun, dann wird uns zwangsläufig auch nur Böses widerfahren. Bestiehlt z. B. jemand seinen Mitmenschen, muss er sich nicht wundern, wenn er eines Tages auch bestohlen wird. In der Lehre Zarathustras ist kein Platz für Anbiedern an Gott oder die Bestechung Gottes, mit dem Ziel, sich einen Platz im Paradies anzueignen. Deshalb sind für Zarathustra und seine Anhänger materielle Zuwendungen an den Klerus sowie das Beten nicht unbedingt erforderlich. Damit unterscheidet sich die Lehre Zarathustras von anderen Religionen. Meiner Meinung nach hat das Gebet in erster Linie die Funktion der Programmierung. Es soll den vorhandenen Glauben auffrischen, vertiefen, und damit die Abhängigkeit der Menschen von den Geistlichen festigen. So wird es möglich, dass die Gläubigen ihr Leben lang vom Klerus ausgebeutet werden. Deshalb sind Religionskriege, die vom Klerus angezettelt werden, als nichts anderes als als Kriege um Marktanteile zu betrachten.
FARAVAHAR
Nach der Überlieferung ist ,,Faravahar" ein Symbol unseres Geistes, der bereits vor unserer Geburt existierte und auch nach unserem Tod weiter existiert. Man darf dieses Symbol aber nicht, wie es leider manche Autoren tun, als ein Bild von Ahura Mazda (Gott) betrachten. Wie uns Herodot berichtet, gab es im alten Persien für Ahura Mazda kein Bildnis, sondern es wurde das Symbol des Lichtes bzw. des Feuers für ilm gewählt. Das Symbol des Geistes, Faravahar, enthält entgegenwirkende Kräfte, die von manchen Autoren so verstanden werden, dass Ahura Mazda (Gott) mit Ahriman (Teufel) ständig im Kampf liegt. Dabei handelt es sich aber um ein Missverständnis. Dieser Kampf, so wie er im Bildnis des Faravahar zum Ausdruck kommt, spielt sich nach Zarathustra ständig im Geist der Menschen ab und führt damit letztlich zum Reifeprozeß des Menschen. Dieser immerwährende innere Kampf des Menschen ist nötig, damit der Geist sein vorläufiges Ziel erreicht und beim Verlassen des diesseitigen Körpers genug Schliff hat, um sich dann, je nachdem wie er sich im Leben verhalten hat, von einer höheren Ebene seiner späteren Existenz dem Endziel zu näheren.
Erläuterung des Symbols
Faravahar
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1) Das Gesicht von Faravahar gleicht einem Menschen und stellt somit die Verbindung zu den Menschen her.
2) Die beiden Flügel des Bildnisses haben drei Hauptfedern und sind als Symbol für die Grundsätze ,,gut zu denken, ,,gut zu reden" und ,,gut zu handeln" zu deuten. Wie schon erwähnt, wird dadurch ein Vorwärtskommen erreicht.
3) Der untere Teil des Faravahar besteht auch aus drei Teilen, die aber die Zeichen von ,,schlecht zu denken", ,,schlecht zu reden" und ,,schlecht zu handeln" sind und damit den Menschen in Abgrund und Unglück stürzen.
4) In beiden Seiten dieses Symbols sind zwei Schleifen enthalten, die ,,sepanta meynu"' die gute Kraft und ,,ankara maynu"' die böse Kraft bedeuten. Die erste Schleife (gute Kraft) deutet in Richtung Gesicht und die zweite (böse Kraft) in Richtung Rücken. Die Menschen sollen sich also mit dem Gesicht dem Guten zuwenden und dem Bösen den Rücken kehren.
5) Der Rumpf von Faravahar wird von einem Kreis umgeben, dem Zeichen dafür, dass unser Geist unvergänglich und damit ohne Anfang und Ende ist.
6) Eine Hand von Faravahar, die nach oben zeigt, soll uns den Weg zum Fortschritt weisen, den wir anstreben sollen. In der anderen Hand sieht man einen Ring, den manche als Ring der Treue deuten, die in dieser Lehre eine hohe Stellung einnimmt.
Aus dem Faravahar, das unseren guten Geist mit den beiden Kräften ,,sepanta mevnu" (Kraft des Guten) und ,,ankara meynu" (Kraft des Bösen) darstellt, lässt sich ableiten, dass jeder von uns sich selbst gegenüber verpflichtet ist, die uns innewohnende Kraft des Guten zu stärken und die Kraft des Bösen in uns zu unterdrücken.
Damit soll der Weg zur Entwicklung unseres Geistes geebnet und ein erfülltes Leben erreicht werden. Im alten Persien war deshalb die Trauer um verstorbene Angehörige nicht üblich, denn wenn man davon ausgeht, dass der Geist unserer Lieben und Angehörigen nach Ablauf unseres diesseitigen Lebens einen Reifeprozess hinter sich gebracht hat, der es ihm erlaubt, von einer höheren Stufe aus seinen Weg zum ewigen Licht, dem Endziel, fortzusetzen, ist die Trauer um Verstorbene nicht angebracht, auch wenn dies schwerfallen mag. Eine zentrale Aussage der Lehre Zarathustras ist, dass jeder für seine Taten selbst verantwortlich ist. Diese Überlegung sowie die Achtung vor Andersdenkenden führte dazu, dass im Vergleich zu anderen Religionen der missionarische Eifer bei den Anhängern Zarathustras weniger ausgeprägt war. Es gibt meines Wissens, abgesehen von den aus politischen Gründen geführten kriegerischen Handlungen, nur zwei Beispiele, bei denen die Toleranz gegenüber Andersdenkenden ausser Acht gelassen wurde. Ursachen dafür lagen wahrscheinlich im politischen und persönlichen Umfeld der jeweiligen Herrscher. Zu nennen wäre die Zerstörung der Akropolis unter Xerxes 1. aus der Achämenidendynastie. Vermutlich wurde diese Untat unter dem Einfluss des Klerus ausgeführt, da Gottesbilder und Gotteshäuser verpönt waren. Des weiteres wäre Anuschirwan aus der Sassanidendynastie aufzuführen, der die Gläubigen der Masdak-Religion verfolgen und hinrichten liess. Hintergrund dafür war, dass Anuschirwan im Gegensatz zu seinem Vater, der zeitweilig unter dem Einfluss der Masdak-Religion stand, die sozialistische Ideologie dieser Religion, die selbst Frauen als gemeinsames Eigentum betrachteten und untereinander zur Verfügung stellten, nicht akzeptieren konnte. Wenn wir den Lauf der Geschichte betrachten, können wir feststellen, dass die Grundsätze der Lehre Zarathustras, etwa in Bezug auf Umwelt oder unser zwischenmenschliches Leben, selbst nach ein paar tausend Jahren der Zivilisation noch ihre Gültigkeit besitzen. Dies ist um so bemerkenswerter, als dass andere Religionen die Empfehlungen Zarathustras nicht nur ausser Acht liessen, sondern sogar gegen sie Stellung nahmen.
Geschichtliche Quellen informieren uns darüber, dass im grosspersischen Reich Frauen unter dem Grundsatz der Gleichberechtigung der Geschlechter hohe Staatsämter innehatten und sogar als Königinnen (z. B. Purandokht) die Geschicke ihres Landes in ihren Händen hatten. Um die Bedeutung der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ersichtlich zu machen, verweise ich auf das Ergebnis der UNO-Konferenz über die Bevölkerungsexplosion, die Ende 1994 in Kairo stattfand. In dieser Konferenz wurde die Bevölkerungsexplosion als grösste Gefahr für die Menschheit erklärt und als wichtigster Weg dagegen die Gleichberechtigung von Mann und Frau genannt.
Wie uns von den alten Geschichtsschreibern wie Herodot überliefert wurde, legten die alten Perser sehr viel Wert auf die Sauberhalten ihrer Umwelt (vgl. Herodot Buch 1, Absatz 138). Es sollte alles getan werden, um Wasser, Luft, Feuer und Erde, die sogenannten vier Elemente, rein zu halten. Es erübrigt sich wohl darauf hinzuweisen, wie aktuell diese Problematik in unserer Zeit ist.
In der Lehre Zarathustras wurde
im Gegensatz zu anderen Religionen Sklavenhaltung abgelehnt. Deshalb wurde
auch Persepolis im Unterschied zu anderen Grossbauten des Altertums ohne
Sklavenarbeit erbaut. Trägheit, Faulheit und das Leben auf Kosten
anderer wurde im höchsten Masse verachtet, und jeder war verpflichtet,
durch möglichst eigene Arbeit und Mühen seinen Lebensunterhalt
zu bestreiten. Götzen- sowie Steinverehrung und Gotteshäuser
aus Lehm oder Stein waren in Altpersien nicht üblich. (Herodot , Buch
I Absatz 131) ,,Götterbilder, Tempel und Altare errichteten sie nicht,
halten es sogar für töricht, es zu tun, meiner Meinung nach deshalb,
weil sie den Göttern keine menschliche Gestalt zuschreiben wie etwa
die Griechen". Gott kann allenfalls in den Herzen oder im Geiste des Menschen
wohnen, aber nicht in den von Menschen geschaffenen Bauten. Das Licht bzw.
das Feuer nahm in der Philosophie Zarathustras einen hohen Stellenwert
ein. Es wurde als das Symbol für Gott gewählt, da es der sauberste
Gegenstand auf unserer Erde ist, und durch nichts verunreinigt werden kann.
Deshalb werden die Anhänger Zarathustras aus Unwissenheit oder Bosheit
oft als Feueranbeter betrachtet oder beschimpft. Dies geschieht sogar von
Religionen, die selbst dieses Symbol für ihren Gott übernahmen.
Blutopfer, welche wir von anderen Religionen kennen, haben in der Philosophie
Zarathustras keinen Platz und waren sogar in ihrer einzigen authentischen
Schrift, der Gatha, ausdrücklich verboten.
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Weshalb geriet die Lehre Zarathustras
im Laufe der Zeit in Vergessenheit?
Da Zarathustra seinen Anhängern predigte, dass jeder einzelne mit seinem Denken, Reden und Handeln für sich alleine die Verantwortung trägt, konnten die Geistlichen der Bevölkerung schlecht vorgaukeln, dass sie für das jenseitige Wohlergehen zuständig seien und je nach Bedarf, das Paradies versprechen oder mit der Hölle drohen konnten. Zum anderen lehnte Zarathustra Blutopfer ab, die vom Klerus auch als Mittel der Ausbeutung ihrer Mitmenschen benutzt wurden. Wenn schliesslich noch Gotteshäuser und Altäre als überflüssig angesehen wurden, ist es nicht verwunderlich, dass der Klerus sich mit der Lehre und Philosophie Zarathustras nicht abfinden konnte. Nicht nur Unterkünfte und Arbeitsplätze der Geistlichen waren in Gefahr, sondern auch ihr Wohlstand und ihre hohe Stellung in der Bevölkerung. Deshalb bemühten sie sich mit Erfolg darum, dass nach dem Ableben Zarathustras seine Lehre schnell in Vergessenheit geriet, indem sie vorzarathustrische Bräuche wieder aufnahmen. Schliesslich wurde auch wieder die Verehrung Mitras und Anahitas propagiert. Wir wissen z.B., dass schon Xerxes 1. aus der Achamenidendynastie neben Ahura Mazda auch die Götzen Mitra und Anahita verehrte (vgl. Weissenbach, ,,Die Keilschriften der Achaemeniden", S.123) Neben dieser inneren Unterwanderung der Lehre Zarathustras durch den Klerus gab es zwei äussere Ereignisse, die nachhaltig ihren Untergang besiegelten. Es gilt aber an dieser Stelle anzumerken, dass bei beiden äusseren Einwirkungen auf Persien die Arroganz der persischen Machthaber und Geistlichkeit sowie der Verrat weniger machthungriger Perser eine nicht zu unterschätzende Rolle spielten.
Als erstes wäre der Sieg Alexanders Über die Achaemenidendynastie und seine Brandsetzung Persepolis, der Kulturstätte Persiens, zu nennen. Mit dem Brand der Bibliotheken wurden die gesamten Aufzeichnungen der persischen Kultur, Philosophie und Wissenschaft vernichtet. Die Griechen haben es aber anscheinend nicht versäumt, Teile dieser Bücher vor ihrer Vernichtung ins Griechische zu übersetzen, die dann als griechische Wissenschaft und Philosophie die westliche Kultur grundlegend mitbrächten. Das zweite einschneidende Ereignis war die Eroberung Persiens durch die Araber. Die arabischen Soldaten wurden unter ihrem Herrscher Omar mit der Verheissung in den Krieg geschickt, dass sie im Falle eines Sieges mit irdischen Gütern, die sie den unterworfenen Persern wegnehmen dürften, belohnt würden. Ausserdem sei es der Wille Allahs (vgl. Koran, Sure 4, Ayeh 25), dass die Frauen und Kinder der Besiegten versklavt und vergewaltigt werden konnten. Sollten sie aber im Kampf umkommen, würde Allah sie als Märtyrer direkt ins Paradies aufnehmen und sie mit allen Annehmlichkeiten, wie etwa der Bereitstellung von Engeln für ihre Wünsche, beglücken. Damit war die zweifellos hohe Kultur der alten Perser, wie sie sich auch in der Lehre Zarathustras manifestierte, ihrem Untergang geweiht. Durch die barbarische Unterwerfung der Perser, die Vernichtung der persischen Bücher und das Verbot der persischen Sprache über Jahrhunderte hinweg ist es den Arabern schliesslich gelungen, einen grossen Teil des persischen Volkes so weit von ihrer eigenen Kultur zu entwurzeln, dass sie sogar heute noch auf die Vergewaltiger und auf die Vergewaltigungen ihrer eigenen Ahnen stolz sind und hoffen, einmal mit den Vergewaltigern ihrer Vorfahren im Paradies zusammenzukommen. Um sich das Paradies nicht zu verscherzen, haben grosse Teile der persischen Bevölkerung immer noch panische Angst davor, sich über die Wurzeln ihrer eigenen als auch der arabischen Geschichte Klarheit zu verschaffen und begnügen sich somit mit Vorstellungen, die jenseits aller Logik sind. Der persische Mathematiker und Dichter Khayam, der im 12. Jahrhundert nach Christus lebte, stellt mit folgenden Worten die unlogischen und paradoxen Predigten der zeitgenössischen Geistlichkeit bloss.
Unseren Weg hast Du mit Fallen gefüllt und sprichst, wer hineinfällt, ist selber schuld. Nichts geschieht in der Welt ausser Dein Wille. Wir gehorchen Dir, und Du betrachtest es als unsere Schuld
oder
Man sagt, am jüngsten Tag müssen wir Rechenschaft ablegen ... Der liebste Freund wird zornig, sich mit uns anlegen ...
Von reinstem Gut kann nichts ausser
Gutes kommen. Geniesse Dein Leben, am Ende kann es nur Gutes geben.
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Weshalb die Philosophie Zarathustras
zwangsläufig wieder ihre hohe Stellung erlangen wird.
In einer Welt, in der es der Wissenschaft gelingt, in immer weitere Dimensionen vorzustossen, wird es mehr und mehr Menschen geben, die anfangen, sich kritische Gedanken über ihren Glauben zu machen. Man wird unweigerlich zu der Überlegung gelangen, dass ein Gott, der unvorstellbare Mikro- und Makrokosmos geschaffen hat, nicht wie ein unmündiges Kind mit Schmeicheleien und Bestechungen zu hintergehen ist. Es stellt sich ausserdem die Frage, wie es kommt, dass Geistliche aller Religionen von sich behaupten, dass nur sie alleine die ehrlichen Makler des Paradieses sind, da nur sie die Lizenz zum Verkauf des Paradieses von Gott bekommen haben und die übrigen Religionen ihren Anhängern den Zugang zum Paradies nur vorschwindeln, weil sie eben diese besagte Lizenz nicht besitzen. Mit dieser Demagogie ist es dem Klerus gelungen, viele Menschen im Namen Gottes zu Mord, Diebstahl, Verstümmelung und Vergewaltigung Andersgläubiger anzustiften. Wenn wir uns darüber im klaren sind, dass der Mensch sich gegenüber dem Tier vor allem dadurch auszeichnet, dass er mit Hilfe seines weiter entwickelten Gehirns die Fähigkeit zu denken besitzt, kommt man früher oder später auf die Frage, warum es uns der Klerus verbietet, kritisch über unseren Glauben nachzudenken und uns somit bei Glaubensangelegenheiten auf die Stufe eines Tieres verweist. Wenn man gegen die Lehre Zarathustras ins Feld führt, dass die Grundsätze ,,gut zu denken", ,,gut zu sagen" und ,,gut zu tun" nicht ausreichen', um die zwischenmenschlichen Beziehungen zu regeln und nur das als gut befinden werde, was den eigenen Profit- und Machtbestrebungen diene, dann sollte man den Vergleich mit dem katholischen Glauben ziehen. Wenn man das Argument gelten lassen will, dass die Beichte der Gläubigen vor der Absolution in einer geheimen Unterredung abgelegt wird, sollte dies jeden Gläubigen von der Sünde abhalten, da er diese Sünde später bei dem Priester vertraulich beichten muss. Wenn das so ist, dann ist in der Lehre Zarathustras die Hemmschwelle eine Sünde zu begehen, wesentlich höher. Jeder Zarathustrier ist nämlich jedem gegenüber verpflichtet, die Wahrheit zu sagen, und so muss er bei jedem, der ihn zur Rede stellt, quasi beichten. Auch besteht keine Gefahr, dass die Philosophie Zarathustras nicht dem ständigen Fortschritt standhält. Die Anhänger Zarathustras müssen nämlich immer, ohne wenn und aber, ihren guten Gedanken folgen, die bei einer Weiterentwicklung des Denkens und Wissens immer nur mit neuen Inhalten gefüllt werden müssen. In dem Moment, in dem die Menschen begreifen, dass der Grundsatz ,,gut zu denken" nicht nur ihren Glauben angeht, sondern Teil ihrer ganz persönlichen Identität ist und letztlich ihren Lebensinhalt ausmacht, stimmen sie mit der Lehre Zarathustras überein, und es spielt keine Rolle mehr, unter welchen Namen dies geschieht.
Dr. Bahram Varza